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Frauenrituale und Wicca

 1990 feierte ich bei Ziriah Voigt meine ersten Frauenrituale, seit 1992 regelmäßig in einem Frauenritualkreis hier in Frankfurt. 2003 habe ich einen neuen, eigenen  Frauenritualkreis gegründet. Obwohl meine Bücher auf Wunsch des Verlegers hin den direkten Bezug zu Wicca im Titel tragen („damit die Buchhändler wissen, in welches Regal die Bücher gehören....“ ) war ich nie in einem orthodoxen Wiccacoven und bin nie offiziell initiiert worden. Die freie Bewegung der Frauenritualkreise ist undogmatisch, basisdemokratisch und hat in ihren Ritualkreisen meist keine oder nur eine sehr schwache Hierarchie. Wenn Workshops von Profis gegeben werden, dienen sie meistens dem Ziel, die rituelle und spirituelle Grundkompetenz jeder einzelnen Teilnehmerin zu fördern und sie zu befähigen, in ihren Gemeinden Frauenritualkreise zu gründen.

 

Feste Ränge wie Priesterin oder gar Hohepriesterin gibt es in den meisten Frauenritualkreisen nicht. Priesterin zu sein ist kein Rang, sondern eine Rolle, und sie wechselt von Fest zu Fest oder von Jahr zu Jahr und kann von jeder Frau mit einiger Übung und Erfahrung eingenommen werden. In vielen Ritualkreisen werden die Feste gemeinsam oder von einer kleinen Vorbereitungsgruppe vorbereitet und dann von einigen durchgeführt. Für die Durchführung eines Rituals hat es sich bewährt, dass für dieses konkrete Fest ein oder zwei Frauen die Ritualregie haben und sich daher bei den Trancen oder Meditationen auf die wachere Rolle der Anleitung beschränken. Anleitung eines Rituals ist ein Dienst an der Gruppe. Da die Frau, die anleitet, meist nicht voll am Ritual teilnehmen kann, haben alle den Wunsch, dass diese Rolle immer wieder wechselt.

 

Was haben die meisten Frauenritualkreis vom traditionellen Wicca übernommen?

In der Regel beschränkt sich das auf den Festtagskalender, die Jahreskreisfeste, die 4 Elementelehre, einige Erfahrungen in der Anrufung und Zuordnung der 4 Elemente und der Feste zu bestimmten Themen und einige Elemente aus der Theologie. Selbst die rituelle Rahmenhandlung (Reinigung, Schutzkreis, Energiekreis, Anrufung der 4 Elemente, Anrufung der Göttin oder von Göttin und Gott) wird längst nicht in allen Frauenritualkreisen konsequent praktiziert, obwohl sie hilfreich und sinnvoll ist.

 

Viele Frauenritualkreise arbeiten nur mit der 4 Elementelehre und praktizieren keine Anrufung der Göttin oder des Gottes. Eine intensive Invokation, bei der eine Priesterin in Trance die Göttin in sich hineinruft und für die Göttin spricht, ist in Frauenritualkreisen meist nicht üblich.

 

In vielen Frauenritualkreisen findet sich eine Mischung aus Frauen, die teilweise naturreligiös sind, teilweise gemischt den christlichen wie den heidnischen Festzyklus leben, teilweise einfach mitmachen, weil sie im weitesten Sinne spirituell auf der Suche sind oder Frauenspiritualität kennen lernen wollen oder teilweise im engeren Sinne auf Wicca bezogen sind, aber keinen traditionellen Orden in ihrer Nähe finden oder freiere Formen für sich suchen. Auf dieser oft sehr gemischten Basis lässt sich selten eine Anrufung der Göttin praktizieren, was für alle eine gemeinsam akzeptierte Theologie bzw. Thealogie voraussetzen würde. Manchmal wird die Anrufung der Göttin durch offene Formulierungen wie „Mutter Erde“ oder einfach „Frauenkraft“ ersetzt.

 

Einige Frauenritualkreise trauen sich inzwischen auch an die klassischen Kasualien heran, also an die gemeinsame rituelle Begleitung und Gestaltung von Lebensereignissen wie Taufe, erste Menstruation, Hochzeit, Scheidung, Menopause, Beerdigung. Ich selbst habe sowohl meine Hochzeit wie die Beerdigung einer Ahnin mit erfahrenen Ritualfreundinnen gestalten können und habe das als sehr stimmig und heilsam erlebt.